Meilensteine der Chemie

AEROSIL®

Seit ihrer Entdeckung vor mehr als 70 Jahren hat sich die Kieselsäure AEROSIL® als Allroundtalent erwiesen – und die Erfolgsgeschichte ist noch lange nicht zu Ende. Alles begann mit einer Absage an den Erfinder.

„Viel zu teuer!“ – das bekommt Harry Kloepfer von seinen Chefs zu hören, als er im Jahr 1941 seine neueste Erfindung vorstellt: eine pyrogene (pyrogen = im Feuer erzeugt) Kieselsäure, die als Füllstoff die Industrieruße im Reifengummi ersetzen soll. Vier Jahre hat Kloepfer in seine Forschung gesteckt – und nun scheint alles umsonst gewesen zu sein.

Zum Glück überlegen es sich seine Vorgesetzten bei der Degussa damals doch noch anders. Und so beginnt 1944 die Produktion einer Kieselsäure mit dem Markennamen AEROSIL®. Die ursprüngliche Idee Kloepfers, AEROSIL® als Füllstoff in Reifen einzusetzen, wird aufgrund des hohen Preises tatsächlich schnell verworfen – dafür fällt den Herstellern bald auf, dass die Kieselsäure ein echtes Allroundtalent ist.

So sorgt AEROSIL® als Verdicker dafür, dass die Viskosität von Lacken kontrolliert werden kann. In der Dose ist der Lack zäh. Rührt man ihn um, wird er flüssig und lässt sich tropffrei verstreichen. An der Wand wird er dann schnell wieder fest. AEROSIL® verhindert somit Nasen im Lack:

Außerdem wirkt die pyrogene Kieselsäure als hervorragendes Fließhilfsmittel für diverse pulvrige Stoffe. Sie ummantelt Wirkstoffpartikel und sorgt dafür, dass diese leichter aneinander vorbeifließen. So wird verhindert, dass zum Beispiel Gewürze zusammenkleben. Dadurch ermöglicht AEROSIL® eine exakte Dosierung für das richtige Maß.

Fließfähigkeit von Pulver
Fließfähigkeit von Pulver

Darüber hinaus dient Kieselsäure als Verstärker von Gummi und Silikon, zum Beispiel in Babyschnullern und Schuhsohlen, und als Poliermittel. Das weiße, fluffige Pulver wirkt dabei in allen Einsätzen unauffällig, aber äußerst effektiv – statt sich selbst in den Vordergrund zu drängen, hilft es anderen dabei, ihre Stärken voll auszuspielen.

Ein echter Alleskönner eben, der weltweit an acht verschiedenen Produktionsstätten hergestellt wird: vom belgischen Antwerpen über Waterford in den USA bis nach Yokkaichi in Japan. Ganz im Erfindergeist von Harry Kloepfer wird dort an Innovationen rund um das weiße Wundermittel geforscht.

Herstellung

AEROSIL®

AEROSIL® wird mittels Flammenhydrolyse hergestellt, beispielsweise aus Siliciumchlorid (SiCl4): Das Chlorid wird erst verdampft, dann mit Luft und Wasserstoff vermischt und der Brennerkammer zugeführt. In der Flamme entsteht die weiße, pulverförmige Kieselsäure in wenigen Sekunden. Dann kühlt es ab, und der Feststoff wird von Gasen getrennt.


Hydrophiles und hydrophobes AEROSIL®

Hydrophiles AEROSIL® ist unbehandelt und wird in Mischoxide und reines Siliciumdioxid unterteilt. Hydrophobes AEROSIL® hingegen entsteht erst durch die chemische Nachbehandlung der hydrophilen Kieselsäure. Hydrophob bedeutet, dass die Kieselsäure wasserabweisend ist und nur eine geringe Feuchtigkeitsaufnahme zulässt. Beschichtungen mit hydrophobem AEROSIL® sind also bestens vor Feuchtigkeit und Rost geschützt.


Der Erfinder

AEROSIL®

Harry Kloepfer wurde 1887 in Berlin geboren. Er studierte Chemie an der Technischen Hochschule Berlin, an der er 1922 seine Promotion abschloss. 1925 wurde er bei der Degussa angestellt, wo er 1940 zum Leiter der Anorganischen Forschung befördert wurde. Dort beschäftigte er sich mit einer Vielzahl an Themen – besonderes Augenmerk legte Kloepfer jedoch auf die Entwicklung pyrogener Kieselsäure. 1944 war es dann so weit: Die Produktion von AEROSIL® begann, bis heute eines der erfolgreichsten Produkte des Unternehmens. 1950 erhielt Kloepfer die Prokura für die Hauptniederlassung in Frankfurt. Kloepfer ging 1962 in den Ruhestand, war aber noch einige Jahre als Berater für die Degussa tätig. Er starb im Jahr 1973 in Bad Homburg.


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